Mein Pflaumenbaum

Vor sieben Jahren habe ich meinen Kleingarten mit mehreren Obstbäumen übernommen. Der Vorpächter hatte wenig Talent und Interesse gezeigt und entsprechend schlecht gepflegt war auch ein Pflaumenbaum. Dabei weiß man, dass das regelmäßige Schneiden die Pflanze gesund erhält. Mein Baum war dagegen vorzeitig vergreist. »Der ist nicht zu retten“, tönte es aus anliegenden Nachbargärten. Aber das wollte ich nicht hinnehmen.

Zusammen mit dem ausgebildeten Fachberater aus der Gartenanlage machte ich mich zunächst an einen ersten kräftigen Schnitt. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Pflaumenbäume nur im Winter vor der Vegetationsperiode geschnitten werden sollen. Dabei ist der beste Zeitpunkt im Frühsommer gleich nach der Ernte. Dadurch kann der Baum seine Schnittwunden besser verschließen und es geraten keine Pilze hinein.

Mein Pflaumenbaum ist eine Reneklode oder Ringlotte. Es handelt sich dabei um eine gelbfleischige, große runde Edelpflaume. Das fand ich aber erst viele Jahre später heraus. Denn der Baum blühte kaum und trug erst im dritten Jahr unter meiner Obhut einzelne Früchte. Und auch die waren schnell von Schmetterlingsraupen befallen. Da die Borke sehr rissig ist, finden sie darin gute Bedingungen, um sich einzunisten und zu überwintern. Im Frühjahr krabbeln sie dann auf die Früchte und fressen sich satt. Was etwas hilft, ist das Spritzen mit Brennnesselbrühe – rein pflanzlich natürlich!

Leider war der Pflaumenbaum Jahr um Jahr zudem üppig von Blattläusen bevölkert. Sie haben Blätter durch das Saugen an den Pflanzensäften geschädigt und Pflanzenviren übertragen. Läuse werden von Ameisen beschützt, die ihre süßen Säfte melken und als Nahrung nutzen. Gegen Ameisen helfen ätherische Öle. Deshalb habe ich Pfefferminze, Lavendel und Salbei unter dem Baum gepflanzt. Außerdem habe ich Verstecke für Ohrkneifer angelegt, denn die fressen gerne Läuse. Auch das Besprühen der Läusekolonien mit einer biologisch abbaubaren Schmierseifenlösung wirkte sich positiv aus, wobei man damit nur die unteren Äste erreicht.

Neu gepflanzt benötigt ein Pflaumenbaum durchschnittlich sechs Jahre, bis er seinen Kronenaufbau beendet hat. In der Rückschau stelle ich fest, dass ich es etwa in dieser Zeitspanne unserer Bekanntschaft geschafft habe, den Baum in Form zu bringen. Im siebten Jahr waren der Lohn eine üppige Ernte mit vielen gut ausgereiften Früchten.

Erstellt für die Kolumne »Gartenstadt« von a3regional.de.