Freifunk für Augsburg

Freifunk

Vor ein paar Tagen habe ich die Leute der Freifunk-Initiative Augsburg kennen gelernt. Zunächst bei einem Workshop der Stadtwerkstatt der Lokalen Agenda am 21. und 22. November 2012. Die Woche darauf gab es ein Treffen beim Augsburger Computer Forum. Freifunkt steht für freie, drahtlose Netze, also WLANs,  die nicht kommerziell betrieben werden. VISION für Augsburg: Wie wäre es, wenn online alle mit allen kommunizieren könnten – ohne eine Firma, bei der man sich anmelden müsste? Wie wäre es, wenn wir unsere eigenen Nachrichten, Filme, Musik, Radiostationen, Blogs, Bilderdienste und vieles mehr betreiben könnten-  ohne auf einen zentralen kommerziellen Anbieter angewiesen zu sein? Wie wäre es, wenn BesucherInnen unserer Stadt am Bahnhof das Handy aus der Tasche ziehen und sofort ein freies Info- und Kommunikationssystem nutzen könnten, ohne Kosten und ohne Anmeldung?

Unterschiede zum Internet

Warum sollten wir ein selbstverwaltetes und freies Netz in Augsburg bauen, wenn es doch schon das Internet gibt?

  1. Das Internet ist kommerziell und unterliegt den Gesetzen des Marktes. Wer im Internet surfen will, muss meist dafür bezahlen, die Infrastruktur nutzen zu dürfen. Anders bei Freifunk: Die Infrastruktur gehört den einzelnen Mitgliedern der Community selbst und ein Datentransfer für andere erfolgt kostenlos und unzensiert.
  2. Indem Netzwerkinfrastrukturen für freie Netze gemeinsam aufgebaut werden, entstehen persönliche Kontakte zwischen den einzelnen Community-Mitgliedern. Neben der technischen findet zugleich auch eine soziale Vernetzung von Menschen statt, die gemeinsam an diesem Projekt arbeiten.
  3. Während man im Internet meist nur UserIn bzw. KonsumentIn ist , sollen Teilnehmende freier Netze selbst aktiv Netzinhalte erzeugen und bereitstellen.
  4. Ein Freies Netz in Augsburg kann sich auf unsere Stadt und Region konzentrieren. Informationen, die usner Gebiet betreffen, können direkt von uns verbreitet werden.

Der anfängliche Beweggrund, Teil eines Freifunk-Netzes zu werden, ist meist das Bedürfnis, einen kostenlosen oder kostengünstigen Zugang zum Internet zu erhalten. Dies zu ermöglichen ist jedoch nicht das Hauptziel der Freifunk-Aktiven. Sie sehen die Zukunft ihrer Anstrengungen vielmehr in der Möglichkeit, sich miteinander in freien Netzen verbinden zu können – ohne sich den Beschränkungen kommerzieller Anbieter unterordnen zu müssen.

Stand der Technik: Von Privatpersonen werden in Augsburg zur Zeit bereits rund 25 Freifunk-Knotenpunkte (“Access-Points”) betrieben, die Informationen im Rahmen des “großen Hausnetzwerkes” empfangen und an andere Teilnehmende weiterreichen können. Eine Karte mit den Netzwerk-Adressen der bisherigen Knotenpunkte gibt es unter folgendem Link: http://augsburg.freifunk.net/nodes/map.html. Nötig zur Teilnahme am Freifunk-Netz ist ein WLAN-fähiges Endgerät, z.B. ein Notebook, Tablet oder Smartphone. Die Verfügbarkeit des Freifunk-Netzes ist umso besser, je mehr Knotenpunkte zur Informationsübertragung vorhanden sind.

Das Problem mit der Haftung

Jeder Betreiber/ jede Betreiberin entscheidet selbst, ob er/ sie dem Freifunk-Netz auch einen Teil der Internet-Bandbreite zur Verfügung stellt. Normalerweise ist das nicht der Fall. Prinzipiell kann man bei Missbräuchen, wie illegalen Musikdownloads mit haftbar gemacht werden kann. Die so genannte Störerhaftung ist ein sehr deutsches Phänomen. Sie gibt es kaum in anderen Ländern und trotzdem sind dort nicht mehr Fälle an Urheberrechtsverletzung, Verbreitung von Kinderpornografie, Verleumdung, Betrug usw. zu beobachten. Man kann also daraus ableiten, dass es nichts bringt, eine Rechtsauffassung zu vertreten, die dem Prinzip “den Letzten beißen die-Hunde” entspricht. Derzeit macht sich die Rechtssprechung “gefühlt” auf den Weg, die Störerhaftung zu revidieren und es gibt zum Glück ganz zaghafte Versuche, das auch auf politischer Seite zu tun.

Vorschläge und Forderungen

  • Die Stadt Augsburg (z.B. das Kulturreferat) könnte den Aufbau eines Freifunk-Netzes durch die Erlaubnis zum Anbringen von Access-Points auf städischen Dachflächen, Balkonen usw. sowie die Übernahme der anfallenden Stromkosten (ca. 10 Watt Leistungsaufname je Access-Point) unterstützen. Auch die elektrischen Anzeigetafeln der Bushaltestellen wären perfekt geeignet um einen Freifunk-Router aufzunehmen und so das Netz zu erweitern.
  • Zusätzlich könnte die Anschaffung weiterer Access-Points mit städtischer Hilfe finanziert werden. Mit ca. 1.000 Euro ließen sich rund 20 weitere Knoten schaffen. Denn: Je mehr Knotenpunkte existieren, desto aktraktiver wird das Netz.

Die Freifunk-Initiative ist ein Gegenentwurf zu Monopolstrukturen im Software-, Telekommunikations- und Energiesektor und kommt damit den Nachhaltigkeitskriterien der Lokalen Agenda 21 nach. Es geht um die  freie ungehinderte Verbreitung von Wissen und Ressourcen.

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