Die göttliche Frequenz

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Von Mai bis Oktober habe ich den Medienkünstler Reinhard Gupfinger bei seinem Projekt »Silent House of Prayer« begleitet. Wir haben mit dem Mikrofon religiöse Zeremonien besucht und dabei Erstaunliches erlebt. Um den räumlichen Höreindruck realitätsnah zu reproduzieren, hat der Künstler bei den Tonaufnahmen eine binaurale Aufnahmemethode mit Styroporkopf und zwei Mikrofonen verwendet. Repräsentativ für jedes Gotteshaus entstand das Einzelstück einer transparenten Schallplatte (Dubplate). Diese wurden erstmalig bei einem »Silent Event« am 4. August 2016 nur über Kopfhörer präsentiert. Die Tonaufnahmen hat Reinhard am Computer mit einer eigens entwickelten Software analysiert und entsprechende Frequenzen und Lautstärken für den Schneideprozess angepasst und aufbereitet. Ein spezielles Heißdraht-Schneidegerät ermöglichte eine Echtzeitübertragung der Tonspuren in Styropor und ähnliche Materialien. Je lauter die Klänge, desto höher die geschnittene Amplitude. Auf diese Weise hat der Künstler ganze Tonaufnahmen in Styropor geschnitten und daraus einmalige Gussformen angefertigt. Es erfolgte der Abguss mit keramischem Gießpulver. Abschließend wurden die Styroporstreifen aus der Form entfernt und das Relief war fertig. In einer Ausstellung in der Galerie Beate Berndt hat er sie im September und Oktober 2016 präsentiert.

Neben neun einzelnen Reliefs, die so für jede Klangaufnahme als Visulaisierung entstanden sind, hat Reinhard ein Gesamtrelief angefertigt und dabei die Frequenz 432 herausgefiltert. Eine Frequenz ist die Anzahl der Bewegungen nach oben und unten pro Sekunde – gemessen in Hertz. Manche sagen, dass das Hören von Musik in 432Hz hilft, uns mit unserer Umwelt und den natürlichen geometrischen Mustern des Universums neu auszurichten. Es wird dabei von der »göttlichen Frequenz« gesprochen.

Veröffentlicht bei a3kultur.

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